
Wie gelingt die Transformation der bergischen Automobilzulieferindustrie?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahresveranstaltung von TRAIBER.NRW am 14. Oktober 2026 in der Alten Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums in Solingen. Mit 95 Anmeldungen brachte die Veranstaltung Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und regionalen Netzwerken zusammen, um Herausforderungen zu diskutieren, Lösungsansätze kennenzulernen und Perspektiven für die weitere Transformation zu entwickeln.
Die Beiträge machten deutlich: Transformation ist weit mehr als technologischer Wandel. Sie erfordert strategische Weitsicht, neue Kompetenzen, eine veränderungsbereite Unternehmenskultur und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. Im Mittelpunkt standen Fragen der Unternehmensführung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die Qualifizierung von Beschäftigten und die Gestaltung geeigneter Rahmenbedingungen.
Gülcin Avci und Maximilian Kellerer von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beleuchteten die Rolle von Führungskräften in Transformationsprozessen der Automobilindustrie. Sie zeigten, dass Transformation häufig aus Unternehmenssicht über Effizienz, Kosten, Prozesse und Technologie gedacht wird, während die Perspektive der Beschäftigten zu wenig Beachtung findet. Dabei sind diese keineswegs grundsätzlich veränderungsscheu: Eine Befragung von Volkswagen-Beschäftigten ergab, dass 84 Prozent künftig mehr mit neuen Technologien arbeiten möchten. In der konkreten Umsetzung können jedoch unzureichende Kommunikation, Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft und der Verlust vertrauter Strukturen zu Verunsicherung führen.
Anhand einer Studie mit Beschäftigten der Automobilindustrie verdeutlichten die Vortragenden zudem die Bedeutung der Mitarbeiterbindung. Besonders ausgeprägt war das kalkulatorische Commitment, also die Bindung an das Unternehmen aufgrund einer rationalen Kosten-Nutzen-Abwägung. Beschäftigungssicherheit allein erzeugt jedoch nicht zwangsläufig die Bereitschaft, Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Fazit: Entscheidend ist daher die Rolle der Führungskräfte als Transformationsagenten. Sie müssen Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Beschäftigte aktiv beteiligen. Gleichzeitig gilt es, ausreichende zeitliche und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, Qualifizierung zu ermöglichen und unterschiedliche Interessen sowie Zielkonflikte zwischen wirtschaftlichen Anforderungen und den Bedürfnissen der Beschäftigten zu berücksichtigen.